In-vitro


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Der Wunsch nach Kindern ist dem Menschen von Natur aus gegeben, doch nicht immer kann er erfüllt werden. Ungefähr jedes siebte Paar in Österreich steht vor der Herausforderung der ungewollten Kinderlosigkeit. Die Ursachen für Unfruchtbarkeit sind vielfältig – ebenso wie die Möglichkeiten sie zu behandeln. Seit Mitte der 80er Jahre gibt es dafür medizinische Hilfe – unabhängig davon, ob die Gründe bei der Frau oder beim Mann liegen. Dabei werden die Erfolgsraten durch die laufende Weiterentwicklung von Diagnostik und Behandlung auf dem Gebiet der künstlichen Befruchtung immer besser, wobei es nie eine hundertprozentige Garantie auf ein eigenes Kind gibt. Zu den bekanntesten Verfahren in der Reproduktionsmedizin gehört die In-vitro-Fertilisation.

Unerfüllter Kinderwunsch - beim Arzt
In Österreich sind zwischen 10 und 15% der Paare mit einem unerfüllten Kinderwunsch konfrontiert.

Was ist In-vitro-Fertilisation?

Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF, Befruchting im Glas) werden nach einer hormonellen Stimulationsbehandlung herangereifte Eizellen aus dem Eierstock entnommen und mit dem Samen des Partners vermischt. Im Gegensatz zu der Insemination (IUI) findet die Befruchtung außerhalb der Frau in einer Kulturschale im Labor statt. Nach erfolgter Befruchtung werden die dadurch gewonnenen Embryonen wieder in die Gebärmutter der Frau eingebracht, wo sie sich einnisten können. Jedoch ist die IVF ein komplexes und aufwendiges Verfahren der Reproduktionsmedizin, das die Patientin körperlich und auch psychisch stark belasten kann.

Für wen ist eine IVF geeignet?

Die sog. Reagenzglasbefruchtung wird hauptsächlich bei Frauen angewendet, deren Eileiter defekt, unwiederbringlich verschlossen oder nicht mehr vorhanden sind. Auch starke Zyklusstörungen mit einem Mangel der Hormone FSH (follikelstimulierendes Hormon) oder LH (luteinisierendes Hormon) sowie eine deutlich eingeschränkte Zeugungsfähigkeit des Mannes können Gründe für eine IVF-Therapie sein.

 

Alles über mögliche Ursachen für Unfruchtbarkeit und die Behandlungsmöglichkeiten bei unerfülltem Kinderwunsch erfahren Sie im Video-Interview mit OA Dr. med. Peter Bauer:

 

IVF: Ablauf

Am Tag der geplanten Eizellentnahme kommt das Paar gemeinsam in das Kinderwunschzentrum. Während der Mann seine Samenprobe zur Aufbereitung abgibt, werden der Frau nach einer vorausgegangen hormonellen Stimulation zur Reifung mehrere Eizellen am Tag des Eizellsprungs die Eizellen entnommen. Die Entnahme der Eizellen erfolgt meistens in einem entsprechend dafür vorgesehenen OP- oder Behandlungsraum. Mit einer feinen Hohlnadel werden unter vaginaler Ultraschallkontrolle die einzelnen Eizellen, die sich in den mit Flüssigkeit gefüllten Follikeln befinden, durch die Scheide vorsichtig in ein Reagenzglas abgesaugt. Dieser Vorgang wird als Follikelpunktion bezeichnet. Der Eingriff dauert i.d.R. nicht länger als 15 Minuten und kann mit einer Kurznarkose oder einem Schmerzmittel durchgeführt werden.

 

In der Zwischenzeit werden unter dem Mikroskop im IVF-Labor die entnommenen Eizellen untersucht und gezählt, um sie danach in eine bereits vorbereitete Kulturschale umzusetzen. Das für die IVF-Behandlung bereits aufbereitete Spermienkonzentrat wird zu den Eizellen in die Kulturschale gegeben.

 

Nach zwei bis fünf Tagen können die Embryonen transferiert werden. Mit einem weichen Katheter werden ein bis zwei Embryonen vorsichtig in die Gebärmutterhöhle übertragen. Der gesamte Vorgang dauert wenige Minuten und wird von den meisten Frauen als schmerzfrei empfunden. In den darauffolgenden Tagen sollte es dann zur Einnistung der Embryonen in die Gebärmutterschleimhaut kommen. Körperliche Anstrengungen sollte die Frau während dieser Zeit möglichst vermeiden.

In-vitro: Ablauf
Bei der IVF findet die Befruchtung nicht im Körper der Frau statt, sondern im Labor.

Die Phasen einer In-vitro-Fertilisation (IVF)-Behandlung im Überblick:

  • Stimulation der Eierstöcke: Ziel dabei ist das Wachstum mehrerer Eibläschen (Follikel) in den Eierstöcken der Frau. Dazu werden die Eierstöcke meistens durch die Gabe der Anti-Baby-Pille für einige Zeit künstlich ruhig gestellt, um dann durch die Gabe von Hormonen (meist in Form von Injektionen unter die Haut, die sich die Frau in der Regel selber verabreichen kann) derart stimuliert zu werden, dass mehrere Eizellen heranreifen – für eine IVF-Behandlung sind mehrere Eizellen erforderlich, um eine möglichst hohe Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung sicherzustellen. Wenn die Eibläschen unter Stimulation eine ausreichende Größe erlangt haben – meist nach acht bis zwölf Tagen – wird der Eisprung (Ovulation) mit einem speziellen Medikament (hCG) ausgelöst, und danach werden die Eizellen punktiert;
  • Punktion (Absaugen der Eizellen): Dabei wird der Eisprung durch subkutane Injektion eines Hormons (humanes Choriongonadotropin, HCG) künstlich eingeleitet. Die Injektion löst die letzte Phase der Reifung der Eizellen aus und bewirkt, dass die Eizellen frei in der Flüssigkeit in den Eibläschen schwimmen. Die Eizellen werden 36 Stunden nach Verabreichen der Injektion mithilfe einer ultraschall-gezielten Punktion entnommen. Dies kann nur dann geschehen, wenn die letzte Phase der Eizellreifung bereits abgeschlossen, jedoch noch kein Eisprung aufgetreten ist – aus diesem Grund ist es äußerst wichtig, die Injektion genau zu dem angegebenen Zeitpunkt zu verabreichen;
  • Fertilisation: Nachdem die Eizellen aus den Eierstöcken abgesaugt wurden, werden sie im IVF-Labor mit den Samenzellen zusammengebracht, wodurch eine Befruchtung stattfinden kann;
  • Embryotransfer (Transfer der befruchteten Eizellen in die Gebärmutter): Wenn die Befruchtung stattgefunden hat, werden in den meisten Fällen zwei bis fünf Tage nach der Punktion ein oder maximal zwei Embryos in die Gebärmutter eingesetzt. Die Übertragung in die Gebärmutter geschieht mit Hilfe eines dünnen, weichen und biegsamen Transferkatheters. Dieser wird durch die Scheide in die Gebärmutterhöhle eingeführt, wobei der Eingriff nicht schmerzhaft ist. Mit der Anzahl der transferierten Embryonen steigt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft, aber natürlich auch das Risiko bzw. die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft.

Ob sich eine Schwangerschaft eingestellt hat, wird anhand eines verlässlichen Bluttests und der Höhe des Schwangerschafshormons HCG (humanes Choriongonadotropin) nach ca. zwei Wochen festgestellt.

Ovarielle Stimulation
Die Hormonbehandlung erfolgt in Form von täglichen Injektionen, die die Frau problemlos selber zu Hause durchführen kann.

Erfolgschancen der Kinderwunschbehandlung

Nicht bei jedem Versuch nistet sich der Embryo in der Gebärmutter ein – statistisch liegt die Chance, mit Hilfe einer IVF-Behandlung schwanger zu werden, bei rund 30 Prozent, doch die Schwangerschaftsrate kann durch Faktoren wie etwa das Alter des Paares, bestehende chronische Erkrankungen sowie Lebensstilgewohnheiten maßgeblich variieren. Besonders von dem Alter der Frau ist der Erfolg von IVF-Prozeduren sehr stark abhängig – bei manchen Paaren klappt es schon beim ersten Mal, doch bei älteren Frauen sind einige IVF-Versuche nötig, damit der Kinderwunsch in Erfüllung geht.

 

Die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft liegt pro Zyklus durchschnittlich bei rund 25-30 Prozent. Nach drei IVF-Versuchen hat man eine Chance von etwa 50 Prozent ein Kind zu haben. Da sich mit jedem neuen Zyklus erneut Aussichten auf eine erfolgreiche Schwangerschaft ergeben, verlässt durchschnittlich nach drei Versuchen die Hälfte der Paare die Klinik mit einem oder mehreren Kindern.

Welche Risiken gibt es?

Die Stimulation der Eierstöcke geschieht immer unter strenger Kontrolle der Reaktion auf die Hormone, trotzdem kann es durch die Hormontherapie zu dem sog. Überstimulationssyndrom (Ovarielles Hyperstimulationssyndrom, OHSS) kommen, bei welchem die Eierstöcke sehr viele und sehr große Eibläschen produzieren. Zu den Faktoren, die die Entstehung des Überstimulationssyndroms begünstigen, gehören u.a. ein bestehendes polyzystisches Ovarialsyndrom, ein erhöhter Androgenspiegel, Untergewicht, jüngeres Alter etc.

 

Eine künstliche Befruchtung birgt oft auch das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft, welche wiederum zur Frühgeburt oder auch zu Entwicklungsstörungen des Babys führen kann.

 

Selten kann es durch die Eizellentnahme zu Verletzungen von Gefäßen kommen, auch der Darm und die Blase sind potenziell gefährdet. Da die Punktion unter Ultraschallkontrolle stattfindet, sind solche Komplikationen allerdings sehr selten. Immerhin sind FachärztInnen verpflichtet, über die gesundheitlichen Risiken einer IVF-Behandlung und der verschiedenen Behandlungsschritte aufzuklären.

Erfolgschancen IVF
Mit jedem IVF-Versuch steigen die Chancen auf ein Kind.

Was kostet eine IVF-Behandlung?

Die assistierte Reproduktion ist gesetzlich streng geregelt. In Österreich trat das IVF-Fonds-Gesetz mit 1.1.2000 in Kraft und wurde zuletzt durch die IVF-Fonds-Gesetz Novelle 2015 geändert. Dieses Gesetz regelt die Einrichtung des sog. IVF-Fonds und welche Paare in Österreich unter welchen Voraussetzungen und für welche Behandlungen Anspruch auf eine Teilkostenübernahme durch diesen Fonds haben. Hierzulande werden bei Vorliegen der dafür notwendigen Voraussetzungen 70 Prozent der Kosten für Maßnahmen der In-vitro-Fertilisation (für höchstens vier IVF-Versuche je Schwangerschaft) vom IVF-Fonds übernommen. Ein Selbstbehalt in der Höhe von 30 Prozent der Kosten ist dementsprechend vom betroffenen Paar zu übernehmen. Die Kostenübernahme erfolgt nur an IVF-Instituten und Krankenanstalten, die einen Vertrag mit dem IVF-Fonds abgeschlossen haben.

 

Vor Beginn einer Behandlung gemäß dem IVF-Fonds-Gesetz muss das Vorliegen einer medizinisch gesicherten Indikation eindeutig feststehen. Vom IVF-Zentrum wird festgestellt, ob eine den Bestimmungen des IVF-Fonds-Gesetzes entsprechende Diagnose der Sterilität bei der Frau und/oder beim Mann vorliegt und auch die sonstigen gesetzlichen Voraussetzungen für eine Teilkostenübernahme durch den IVF-Fonds erfüllt sind. Im Anschluss wird zwischen dem IVF-Zentrum und dem Paar ein Behandlungsvertrag geschlossen. Das behandelte Paar ist dann ausschließlich zur Leistung des 30-prozentigen Selbstbehaltes verpflichtet, die übrigen Kosten werden direkt vom IVF-Zentrum mit dem Fonds abgerechnet.

 

Zu den Voraussetzungen, die vorliegen müssen, damit ein Paar Anspruch auf Kostentragung durch den IVF-Fonds hat, gehören u.a.:

 

  • Anforderungen an das Paar: Das Paar muss in aufrechter Ehe, eingetragener Partnerschaft oder in eheähnlicher Lebensgemeinschaft leben. Auch gleichgeschlechtliche Paare sind anspruchsberechtigt, wenn bestimmte Voraussetzungen bei der Frau, die beabsichtigt das Kind auszutragen, erfüllt sind;
  • Anforderungen an die Frau: beidseitig verschlossene oder sonst dauerhaft funktionsunfähige Eileiter; Endometriose und daraus resultierende funktionellen Sterilität; polyzystische Ovarien und daraus resultierende funktionelle Sterilität;
  • Anforderungen an den Mann: Sterilität bzw. schwere männliche Infertilität;
  • Weiters müssen alle anderen Möglichkeiten zur Herbeiführung einer Schwangerschaft bereits ausgeschöpft worden sein.

Hier finden Sie die gesamte Rechtsvorschrift für IVF-Fonds-Gesetz

 

Durch den IVF-Fonds werden auch 70 Prozent der Kosten für jene Arzneimittel übernommen, die für die Vorbereitung und Durchführung der Stimulation, die Auslösung des Eisprungs sowie zur hormonellen Unterstützung in der zweiten Zyklushälfte benötigt werden.

 

Wer hat Anspruch auf eine finanzielle Unterstützung aus dem IVF-Fond? Welche Behandlungen sind in Österreich verboten? Welche erlaubt? Erfahren Sie mehr über die rechtlichen Grundlagen zur Fortpflanzungsmedizin in Österreich im Video-Interview mit Univ. Prof. Dr. Heinz Strohmer, Leiter des Kinderwunschzentrums Goldenes Kreuz:

 

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